Fasten – Schweigen – Meditieren

zenBezeichnend für westliche Suchende ist, dass sie sich vieles erst über den Umweg des Ostens zu eigen machen. Das war mit Yoga so, das unsere Körperkultur beflügelte über das Kopieren der Yogaasanas selbst, später durch die Übernahme östlicher Systeme wie Chi Gong und Tai Chi und schließlich über die Wegbereitung für Feldenkraisübungen, Alexandertechnik, Eutonie usw. In ähnlicher Weise ist über den Buddhismus bei uns eine Meditationskultur entstanden, die noch immer wächst. Enomya Lassalle, der Jesuitenmönch, war der erste, der die Zen-Meditation bei uns einführte und selbst Zen-Meister wurde ohne seine christliche Ausrichtung aufzugeben. Andere Jesuiten wie der Schweizer Nikolaus Brantschen folgten. Heute sind auch Ordensleute aus anderen Gemeinschaft wie Willigis Jäger mit der Zen-Meditation verbunden und geben ihr ein Zuhause weit entfernt von der ursprünglichen Heimat Japan. Ich selbst habe Zen bei Deshimaru, Lassalle und Brantschen kennen und schätzen gelernt und es zusammen mit einem Freund mit Fasten zu einem Seminar verbunden, das wir nun schon seit 25 Jahren regelmäßig zweimal pro Jahr halten: Fasten – Schweigen – Meditieren. Die Erfahrungen auf diesem Weg waren von Anfang an und sind noch immer eindrucksvoll. Das strenge Regime des Zen mit seinem stark ritualisierten Ablauf, den Sitzperioden am Boden und dem rituellen Gehen beim Kin-Hin hat einen für westliche Menschen auf den ersten Blick schwer nachvollziehbaren ordnenden Einfluss auf den Geist. Zusammen mit Fasten, das Körper und Seele von innen heraus reinigt und das Bewusstsein klärt, erzielt dieses Rituals verblüffende Wirkungen wie folgendes Beispiel andeuten mag. Eine Seminarteilnehmern bekam von ihrem Ehemann zu einem runden Hochzeitstag einen Wunsch frei. Während er wohl eher an ein Collier gedacht hatte, wünschte sie sich, er möge sie zum Fasten-Schweigen-Meditatieren begleiten. Etwas widerwillig und deutlich genervt von den Beschränkungen kämpfte sich der Ehemann durch die Woche. Das Sitzen auf dem Boden, das er entgegen meinem Rat unbedingt neben seiner Frau schaffen wollte, hielt er mangels Übung nicht durch und musste der Not gehorchend auf einen Stuhl wechseln. Am Ende des Seminars versicherte er mir, dass ich ihn sicher nicht mehr wieder sehen würde und er das ganze für eine Zumutung hielt. Einige Tage später rief er aber schon wieder an und erkundigte sich, ob die Flut von Ideen, die er seither erlebte, mehr mit dem Fasten oder dem Za-Zen, der Sitzmeditation, zu tun habe. Ich konnte ihm versichern, dass beides sowohl die innere Klärung fördere als auch den Fluss der Ideen und die Kreativität steigere. Bereits nach einem halben Jahr war er wieder da, hatte inzwischen das Sitzen auf dem Zaffu trainiert und gestand kleinlaut, dass er vielleicht beim ersten Versuch nicht alles verstanden habe und sich nach ähnlichen gedanklichen Höhenflügen sehne, wie er sie nach dem erstem Mal erlebt hatte. Durch die Kraft des Zen-Fasten-Rituals konnte ihm geholfen werden.